Der Knottenhof

Der Knottenhof

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval die Abbildung des ehemaligen Knottenhofes „In der Hardt“. Das Haus auf dem Knottenberg, im Volksmund „Knottehoff“ genannt, war eines der gr√∂√üten Fachwerkh√§user in Mechernich. Die erste historisch gesicherte Erw√§hnung √ľber diesen Hof ist uns aus dem Jahre 1760 √ľberliefert. Auf einer Karte von dem Kirchdorf Mechernich wird er als Steigers Wohnung bezeichnet. Von den Grafen zu Lippe wird das Haus aber schon Ende des 18. Jahrhunderts „Knottenhof“ genannt.

Wie kam der Hof zu diesem Namen? In einer Zeit, da eine Hausnummerierung im heutigen Sinne unbekannt war, diente die Namensgebung f√ľr Geb√§ude unseren Vorfahren als Ortsbezeichnung. War der Hof auf einem reichhaltigen Erzlager (Bleiknotten) errichtet worden, das zu dieser Namensgebung f√ľhrte? Nach dem heutigen Kenntnisstand √ľber die ehemaligen Erzlagerst√§tten am Bleiberg d√ľrfte das unwahrscheinlich gewesen sein.

Belegt ist, da√ü der Hof seit dem 18. Jahrhundert den leitenden Angestellten des Meinertzhagener Bleiwerks als Wohnung diente. 1816 verlegte Berginspektor Gubner seinen Wohnsitz von der Elisabethh√ľtte nach dem Knottenhof. Hier stellte er in Mechernich den ersten Weihnachtsbaum auf. 1848 nahm Graf zu Lippe mit Familie im Knottenhof Wohnung.

Nach Hubert Roggendorf befand sich „In der Hardt“ die Bleiwaage. Die Flurbezeichnung „Auf der Waagen‚Äú, heute besiedelt, soll auf den ehemaligen Standort der Bleiwaage hinweisen. Da auf dem Meinertzhagener Bleibergwerk √ľberwiegend Knottenerz gewonnen und „In der Hardt“ gewogen (gest√ľrzt) wurde, k√∂nnte wahrscheinlich zu der Namensgebung des Hofes gef√ľhrt haben. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts stand gegen√ľber dem Knottenhof das Kassenhaus, wo die Bergleute ihren Lohn erhielten.

Nur vier Jahre hielt die gr√§fliche Familie es im Knottenhof aus. Dem wenig sachkundigen Grafen entglitt die √úbersicht √ľber den Bergbaubetrieb. Schlampereien und Betr√ľgereien waren an der Tagesordnung. Am 21. M√§rz 1850 bestellte der Graf seine Beamten zu einer Betriebskonferenz in das Haus am Knottenberg. Hier er√∂ffnete er Ihnen, da√ü er beabsichtige, die Gebr√ľder Kreuser als Teilhaber aufzunehmen.

Der Gesellschaftsvertrag wurde dann am 30. M√§rz 1850 abgeschlossen. Mit Notariatsakt vom 17. Dezember 1852 erwarben die vier Gebr√ľder Kreuser vom Grafen Julius zu Lippe den gesamten Bergwerksbesitz zum Kaufpreis von 600 000 Talern. Zur Abfassung der umfangreichen Urkunde im Haus Knottenberg ben√∂tigte der Notar elf Stunden. Die Stempelkosten (Geb√ľhren) f√ľr den Vertrag betrugen allein 6093 Taler.

Unter den neuen Besitzern nahm der Bergbau am Bleiberg einen ungeheuren Aufschwung, verbunden damit auch die Anzahl der Besch√§ftigten, leitenden Angestellten und Beamten. F√ľr letztere wurden in der Friedrich-Wilhelm-Stra√üe, benannt nach dem Bergmeister Friedrich Wilhelm Huppertz, Beamtenwohnungen errichtet. Die Familie Kreuser errichtete f√ľr sich selbst in der Turmhofstra√üe eine repr√§sentative Villa. Dadurch verlor der Knottenhof im Laufe der Jahre an Bedeutung, da er nicht mehr als Wohnsitz f√ľr die Repr√§sentanten des Meinertzhagener Bleibergwerks genutzt wurde. Er war jetzt ein normales Wohnhaus geworden.

Nach der Stillegung der Gewerkschaft Mechernicher Werke am 31. Dezember 1957 wurden substanzerhaltene Arbeiten am Knottenhof nicht mehr vorgenommen, so daß sein Aussehen Schaden nahm. Er war aber nicht baufällig.

1965 wurde ein vorbereitender Ausschu√ü gebildet, der sich die Aufgabe gestellt hatte, in Mechernich ein Berg- und Heimatmuseum zu errichten. Als Standort hatte man den Knottenhof, Turmhof oder das Haus Kreuser vorgesehen. Leider gelangte das Vorhaben nicht zur Ausf√ľhrung.

Anfang der siebziger Jahre war es dann soweit. Der Knottenhof mu√üte Neubauten, die nicht gerade dem √ľbrigen Ortsbild entsprachen, weichen und wurde niedergelegt. Wenn man sich den Spruch, „Vom Bergarbeiterdorf zur Garnisonsstadt“, den die Verwaltung bei der Stadterhebung vollmundig propagierte auf der Zunge zergehen l√§√üt, erscheint es unbegreiflich, wie ein solch historisches Geb√§ude einfach platt gemacht wurde. Wie soll man jetzt den nachfolgenden Generationen Ortsgeschichte vermitteln, wenn nichts mehr vorzuweisen ist?

Von Anton Könen