Das Kreuserstift

Das Kreuserstift

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der diesjährige Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval die Darstellung des ehemaligen Kreuserstifts am Stiftsweg.

Hoppla, hier stimmt was nicht, werden sich einige fragen. Das Kreuserstift hat doch seinen Standort an der Bahnstraße und nicht am Stiftsweg. Der heutige Standort beider Häuser ist durch den Eigentumswechsel zwischen Kreuserstift am Stiftsweg und Kreiskrankenhaus an der Bahnstraße vom 30. März 1950 vollzogen worden. Das heutige dem Stiftsweg zugekehrte ältere Gebäude des Kreiskrankenhauses, ist das ehemalige Hauptgebäude des früheren Kreuserstiftes. Das Invaliden- und Waisenhaus (Kreuserstift) gründete am 8. Oktober 1885 die Witwe Karl Kreuser jr. Für die Waisen von Werksangehörigen des Bergwerkes und den alten invaliden Bergleuten. Im ersten Jahr des Bestehens (1886) wurden im Kreuserstift 33 Mädchen und 52 Jungen betreut. Die Betreuung des Hauses war den Salzkottener Franziskanerschwestern anvertraut worden, anfangs 5, war 1929 die Zahl schon auf 16 Schwestern gestiegen, was sich in den folgenden Jahren noch erhöhen sollte. Gleichzeitig wurde von der Stifterin im Hause eine Kinderbewahrschule (Kindergarten) eingerichtet. Am 16, September 1914 starb die Stifterin.

Weil das Raumangebot des Kreuserstiftes schon bald nicht mehr ausreichte, erfolgte 1912 eine Erweiterung durch den Aufbau des dritten Stockwerks und den Anbau der beiden Nordflügel. Zum Stift gehörte ein großer Nutzgarten, der von den Schwestern und einem Gartengehilfen bewirtschaftet wurde und eine parkähnliche Anlage. Im November 1913 wurde eine Haushaltungsschule im Hause eingerichtet. In den Jahren von 1912 bis 1920 war im Kreuserstift auch ein Mädchenpensionat, das von etwa 35 Mädchen, meist von auswärts, besucht wurde.

Die Zahl der Waisenkinder stieg derart an, dass am 1. Mai 1919 eine eigene Hausschule für die 37 Mädchen und 47 Jungen eröffnet wurde, an der zwei Lehrkräfte unterrichteten. Leiter der Schule war Herr Bloom, der spätere Lehrer der kathol. Volksschule Roggendorf und ab 1945 Schulrat des Kreises Schleiden. 1923 wurde diese Privatschule vom Staat aufgelöst. Wegen Raummangel an der Mechernicher Schule wurde 1929 die dritte Mädchenklasse vorübergehend im Kreuserstift unterrichtet. Die Waisenkinder waren bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts alle gleich gekleidet. Die Mädchen trugen karierte Kleider und die Jungen braune Anzüge, was einer Uniformierung gleich kam und sie von den anderen Kindern im Ort unterschied.

Während der NS-Zeit 1933 – 1945 wurde es für die Leitung des Kreuserstiftes immer schwieriger die Selbständigkeit des Hauses gegenüber der Partei (NSDAP) zu behaupten. Trotzdem das Haus eine Privatstiftung war, wurde es wegen der Betreuung durch Ordensschwestern von der NS-Führung als Kloster eingestuft. Ab Januar 1941 begann der als Klostersturm (Aufhebung der Klöster) bekannt gewordene groß angelegte Raubzug von Partei und Gestapo.

Anlass für die Übernahme des Kreuserstiftes als Hilfskrankenhaus zu Beginn des Jahres 1941 waren daher nicht die Luftkriegsverhältnisse, sondern eine Geheimsitzung bei der damaligen NS-Kreisleitung in Schleiden, an der alle Teilnehmer zum Schweigen verpflichtet wurden. Der Kreisleiter gab in der Sitzung bekannt, dass er von der Gauleitung Köln – Aachen die Genehmigung erhalten habe, sämtliche Orden im Kreis Schleiden aufzuheben. Um diesen unsinnigen Plan im Fall des Kreuserstiftes zu verhindern, nahm der damalige Kreissyndikus Reimann, geheime Rücksprache mit dem Mutterhaus der Franziskanerinnen in Salkotten. Nach einer weiterer Unterredung mit der damaligen Oberin des Kreuserstiftes und dem Kuratorium des Hauses, schlug Reimann vor, das Kreuserstift aufgrund des Reichsleitungsgesetzes für Zwecke des Krankenhauses als Hilfskrankenhaus zu beschlagnahmen. Dadurch blieben die Eigentumsverhältnisse der Kreuserstiftung unberührt. Die Gemeindeverwaltung von Mechernich vertrat die gleiche Auffassung und hatte ihrerseits geheime Vorgespräche mit der Oberin aufgenommen. Das Kreuserstift wurde als Hilfskrankenhaus eingerichtet und verfügte über eine Röntgenabteilung, Bäder eine chirurgische Station mit 80 Betten, eine Kinderabteilung mit 20 Betten, 44 für ausländische Arbeiter, eine innere Abteilung für an Tuberkulose erkrankte Frauen mit 36 Betten, eine Isolierstation mit 60 Betten und ein Altersheim mit 100 Betten.

Trotz Kennzeichnung als Krankenhaus durch ein Rotes Kreuz auf dem Dach, blieb das Kreuserstift nicht vom 2. Weltkrieg verschont. Am 8. November 1944 zerstörte eine Bombe den östlichen Flügel mit der Isolierstation vollständig. Hierbei konnte die Kinderärztin Frau Dr. Schmitz mit Schwestern und vielen Kindern nur noch tot geborgen werden. Weihnachten 1944 wurde der westliche Teil des Stifts von Brandbomben getroffen, wobei das Obergeschoß abbrannte. Bei Kriegsende wies das Kreuserstift einen Zerstörungsgrad von 60 Prozent auf. Nach Beendigung der Kampfhandlungen bemühte sich der Kreis Schleiden um den beschleunigten Wiederaufbau des Kreiskrankenhauses und des Kreuserstiftes.

von Anton Könen