Das Königspochwerk

Das Königspochwerk

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval die Darstellung des ehemaligen Königspochwerks. Das Werk war das größte Pochwerk Europas, zeitweise der Welt, und hatte seinen Standort im Bergwerksgelände zwischen Waggonbau und Gaswerk Mechernich, in der Flur Frauenbusch.

Welche Aufgaben erfüllte ein Pochwerk:

Im Bergbaubetrieb schließt an die Förderung das „Aufbereiten” (der Materialaufschluss) an, die sorgfältige Trennung der geförderten Bodenschätze vom tauben Gestein für ihre Weiterverarbeitung. Schon im Anschluss an den Abbau beginnt dieser Prozess, um das Fördergut nicht unnötig mit Beiwerk zu belasten, aber die eigentliche Arbeit dieses Produktionsabschnitts erfolgt in durchgreifender Gründlichkeit erst über Tage.

Diese Trennung war durch die Jahrhunderte hindurch der schwierigste Bereich des Mechernicher Bergbaus. Die Wäsche des Raufwerks im Beutelkorb führte zu großen Erzverlusten. Die dabei anfallenden Waschsande wurden später nochmals mit Erfolg bearbeitet. In einem ersten Arbeitsgang wurden in wasserradgetriebenen Pochhütten die herausgewaschenen Roherze zerkleinert. Nach einem Hub von wenigen Zentimetern fielen zu Sätzen verbundene Buchenstempel, deren Köpfe mit Eisen beschlagen waren, auf die Knottenerze im Pochtrog. Das anfallende Pochmehl schlämmte durchfließendes Wasser in Gerinne und Schlämmsümpfe. In diesem Schlämmverfahren schieden sich unterschiedliche Körnergrößen aus, die in weiteren und immer wieder verbesserten Verfahren auf Stoßherden und anderen Aggegraten weiterverarbeitet wurden.

Wasserradgetriebene Pochwerke (hütten) standen am Bleibach und am Feybach bei Burgfey in Betrieb. Am Bleibach waren es die Überflußhütte, Ackerhütte, Oberhütte, Mittelhütte, Roßhütte, Neuhütte, Heufahrtshütte und am Feybach das obere und das untere Burgfeyer Pochwerk, um nur einige zu nennen.

Diese, mit überwiegend nur vier Pochstempeln ausgerüsteten Pochwerke genügten nach 1852 dem aufstrebenden Bergbau nicht mehr. 1857 genehmigten die Behörden im Distrikt Frauenbusch den Bau einer Aufbereitungsanstalt, genannt „Königspochwerk” mit 150 Stempeln in dreißig Sätzen, die mit einer 25 PS Dampfmaschine betrieben wurden. Im Laufe der Jahre genügte auch dieses Pochwerk nicht mehr dem erhöhten Bedarf.

Im Jahre 1874 errichtete der Mechernicher Bergwerks- Aktien-Verein ein neues Pochwerk mit insgesamt 265, jeweils 150 kg schweren Pochstempeln, das zur damaligen Zeit unerhörtes Aufsehen erregte und in den ersten Jahren das größte der Welt war. Ein Motor hob jeweils 40 der sich auf und nieder bewegenden Pochstempeln. Durch neue Verfahren bei der Aufbereitung kam 1930 das Aus für dieses riesige Königspochwerk. Aber erst am 15. Juli 1935 wurden die überflüssig gewordenen drei Schornsteine des Werkes durch Sprengung niedergelegt, wonach auch der Abbruch des Werkes erfolgte. Die Gemeinde Kommern erwarb das Gebäude und beschäftigte als so genannte Notstandsarbeit seine restlichen Arbeitslosen mit dem Abbruch.

Von Anton Könen