Das Alte Postamt

Postamt Mechernich

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval das Postamt in Mechernich, wie es sich von 1888 bis 1967 darstellte. Mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Köln-Düren-Euskirchen-Mechernich am 1.7 1865 wurde auf dem Bahnhof Mechernich eine Post-Expedition errichtet. Später war das Amt im linken Flügel des ehemaligen Hotels „Bleiberg”, Ecke Friedrich Wilhelm Straße und Johannesweg untergebracht. Als im Jahre 1888 in nächster Nähe ein Neubau entstand, der durch Größe und Stil eher dem Ansehen der Post gerecht wurde, nahm die Kaiserliche Reichspost die Gelegenheit war und mietete das Gebäude.

Seitdem hat das Postamt dort seine Heimat. 1924 erwarb die Deutsche Reichspost das Gebäude für 34.000 Reichsmark käuflich.

Durch Umbauten 1936 und 1967 sowie einen Anbau 1974 hat sich die Form des Gebäudes gegenüber 1888 total gewandelt.

Verfolgt man die Postgeschichte in unserem Stadtgebiet zurück, ist man erstaunt, dass Kommern seit dem 1.1.1828 eine Postanstalt hatte und Mechernich erst 1865. Warum? Die von dem ersten preußischen kommissarischen Landrat des Kreises Lechenich (heute Euskirchen), Georg Barsch, 1818 errichtete Fußbotenposten, endeten an den Grenzen des Kreises Gemünd (später Schleiden). Dagegen wendete sich das preußische Bergamt Düren in einem Schreiben vom 20.8.1818 an den Bürgermeister Abels in Kommern.

Auf den Antrag der Kgl. Regierung zu Coeln soll dort eine Carriol-Post angelegt werden, welche wöchentlich dreimal über Brühl, Liblar, Lechenich, Euskirchen nach Münstereifel und zurück nach Coeln fahren soll und mit welcher Fußbotenposten zu den anderen Orten eingesetzt werden sollen.

Es ist voraus zu sehen, dass diese Einrichtung den Herren Bergwerks – Concessionnairs am Bleiberg willkommen und nützlich sein wird.

Die Kgl. Regierung gründet darauf die Erwartung, dass dieselben nach Verhältnis der dadurch zu machenden Ersparnisse einen jährlichen Beitrag zu dem auf 1200 Tälern jährlich zu schätzenden Unterhaltskosten zu leisten erbötig sein werden.

Wir wenden uns deshalb an Ew. Wohlgeboren, mit dem Ersuchen, gegenwärtiges zur Kenntnis der Herrn Grafen zur Lippe, Olligschläger, Guennersdorf und Erben Carl Henseler gelangen zu lassen und uns deren Erklärungen, nebst ihrer eigenen baldmöglichst mitzutheilen.” Bürgermeister Abels und die Bergherren zu Mechernich ließen sich mahnen, ehe sie 7 Jahre später wieder in Verhandlungen eintraten. Da die Bergherren durch die kostenlose Postbeförderung mit ihren Bleifuhrleuten (auch wenn das häufig zwischen Mechernich und Köln 8 Tage dauerte) nicht an einer Carriol-Post oder gar an einer Postanstalt interessiert waren, blieb unser Ort auf Jahre hinaus postalisch unerschlossen.

Ab 1847 erhielt Mechernich zweimal wöchentlich, montags und mittwochs, eine Postzustellung durch den Landbriefträger von Kommern.

Eine Änderung brachte dann, wie eingangs erwähnt, die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Köln-Düren-Euskirchen-Mechernich und des Bahnhofs Mechernich. Vier Züge fuhren täglich hin und zurück. Die Bahn wurde sofort zur Postsachenbeförderung benutzt und Mechernich hatte endlich eine direkte Postverbindung. 1914 bestand das Personal aus 15 Beamten. Mit dem Postamt vereinigt waren eine Telegrafenbetriebsstelle (1875), eine Fernsprechvermittlungsstelle (1901) mit den ersten 11 Telefonanschlüssen und eine öffentliche Fernsprechstelle. Zum Amtsbereich gehörten die Postagenturen Breitenbenden, Eiserfey, Strempt und Bleibuir, zusätzlich noch eine Posthilfsstelle und vier Telegrafenhilfsstellen Bergheim, Lorbach, Lückerath, Roggendorf, Vussem.

Nach der Kapitulation 1918, rückten am 5.12.1918 die ersten englischen Truppen in Mechernich ein. Das Postamt wurde sofort besetzt, der deutsche Telegrafen- und Fernsprechverkehr verboten. Die Dienstwohnung des Amtsvorstehers wurde bis 1919 abwechselnd als Quartier für den jeweiligen Regimentskommandeur oder als Offiziersmesse benutzt.

1930 wurde der durchgehende Fernsprechnachtdienst eingerichtet, dessen Kosten teils vom Fernsprechteilnehmer, teils von der Gemeindeverwaltung getragen wurde. Hierüber entstand 1933 zwischen der Gemeindeverwaltung und der Deutschen Reichspost ein heftiger Streit. Die Gemeinde weigerte sich, für den Fernsprechnachtdienst weiter Abgaben an die Postverwaltung zu zahlen und verlangte die Einrichtung eines Selbswähleramtes, das 1935 errichtet wurde. Ab 1931 wurde die Postversorgung der umliegenden Orte mittels Kraftwagen eingeführt. Am 1.10.1932 wurden zusätzlich fünf Kraftpostlinien, die zur Personen- und Postbeförderung dienten, eingerichtet. Gleichzeitig wurden dem Postamt die Postagenturen Tondorf, Buir, Lindweiler, Rohr, Mühlheim, Mühlheimer Haus und das Forsthaus Mürel vom Postamt Blankenheim – Nöthen, Gilsdorf, Pesch, Hohn, Bouderath, Roderath und Holzmülheim vom Postamt Münstereifel – Hostel, Glehn, Eicks, Floisdorf und Berg vom Postamt Euskirchen zugeteilt Die zum Postamt Mechernich gehörenden Postagenturen Kalenberg, Kallmuth, Scheuen, Wallenthal und Voissel wurden dem Postamt Kall zugeteilt. Dadurch wurde Mechernich zum postalischen Mittelpunkt der Region, mit zwei Posthilfsstellen und 29 Poststellen, sowie einem Postversorgungsumkreis von 43 Kilometern.

Von August 1935 bis Februar 1936 erfolgte der erste Umbau des Postamtes. Während dieser Zeit, war das Amt in zwei Räumen des Verwaltungsgebäudes der Gewerkschaft Mechernicher Werke untergebracht.

Wie in den Kriegsjahren 1914-18 wurden auch in den Kriegsjahren 1939-45 Frauen eingestellt, um den Dienstbetrieb aufrecht zu halten. Am 25.12. 1944 gegen 11.30 Uhr erfolgte ein Luftangriff auf Mechernich, bei dem das Postamt so stark beschädigt wurde, das ein Wohnen und Arbeiten im Hause nicht mehr möglich war Der Dienstbetrieb wurde nach Verlegung ins Vereinshaus Bruchgasse-Ecke Hardt von dort weiter geführt. Das Amtsvorsteherzimmer wurde bei der Familie Reintgen in der Hardt eingerichtet. Im beschädigten Amt blieb nur der Telegrafenleitungsaufseher Gierling, der dort den Fernsprechbetrieb trotz dauernder Fliegerangriffe bis zum Einmarsch der Amerikaner am 6. März 1945 aufrecht hielt. Seinen Dienstraum konnte er nur über eine provisorische Holzleiter erreichen.

Ab Februar 1945 war eine Briefzustellung tagsüber nicht mehr möglich und wurde in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend durchgeführt. Dabei wurden auch die Luftschutzbunker beziehungsweise Notunterkünfte der Bevölkerung an der Heerstraße, Auf der Ley und Elefantenkopf in die Briefzustellung mit einbezogen. Die Postverbindungen wurden bis Februar 1945 durch Kraftpost, (Fahrer Robert Theissen) über das Postamt Euskirchen aufrecht gehalten. Der Dienstbetrieb endete am 6. März 1945 mit dem Einmarsch der alliierten Truppen in Mechernich.

Am 2.7.1945 wurde der eingeschränkte Postverkehr im Keller des Amtes wieder aufgenommen. Der Bereich des Amtes, 35 km, wurde da dem Amt kein Kraftwagen zur Verfügung stand, bis Januar 1946 zu Fuß versorgt.

Im Zuge der Zentralisierungsbestrebungen der Deutschen Bundespost Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts begann die Demontage des Postamtes Mechernich mit eigener Verwaltung. Nachdem Zug um Zug Personalstelle, Hauptkasse, Landpoststelle, Kraftpoststelle u.s.w. dem Postamt Euskirchen zugeführt war, hatte das selbstständige Postamt Mechernich aufgehört zu bestehen. Es war jetzt ein Zweigpostamt vom Postamt Euskirchen. Im Jahre 1967 erfolgte der letzte Umbau, bei dem das Gebäude sein heutiges Aussehen erhielt. In dieser Umbauphase war das Postamt im Hause der Familie Traber in der Weierstraße untergebracht.

Gleichlaufend mit der kommunalen Gebietsneuordnung verstärkte auch die Bundespost ihre Zentralisierungsbestrebungen. Seit dem 1.7.1974 fahren mit PKW’s ausgerüstete Zusteller morgens von Mechernich in die Orte unseres Stadtgebietes und führen die postalische Versorgung durch.

Im August 1998 dann, wurde der Dienstbetrieb im alten Postgebäude an der Friedrich Wilhelm Straße aufgegeben und in den Rewe-Markt am Markt in private Hände übergeben. 110 Jahre hatte dort „os Poss” ihr Zuhause gehabt. Seit diesem, für real denkende Menschen nicht nachvollziehbaren Vorgang fristet das alte Postamt als leerstehende Immobilie sein Dasein. Ein unwürdiger Ruhestand.

von Anton Könen