Bahnhof Mechernich

Bahnhof Mechernich

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval die Abbildung des ehemaligen Bahnhofs. Die äußere Form des Ordens zeigt die Umrisse der Lok „Sphinx” der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (Nr. 117, Borsig Fabriknummer 1790), die zu den ersten Lokomotiven gehörte, die Mechernich während des Baus der Eifelbahn Euskirchen – Mechernich anfuhren.

Mechernich, größter Ort (Industrieort) im Eifelkreis Schleiden, erhielt relativ spät Anschluss an das rasch wachsende rheinische Eisenbahnnetz. Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft, führend in der Errichtung von Eisenbahnlinien in unserer Region, sprach sich wegen mangelnder Rentabilität gegen eine Linienführung in der Eifel aus. Erst durch ministeriellen Erlass vom 6. März 1862 wurde der Bau einer Strecke von Düren über Euskirchen nach Kall angeordnet.

Für den Anschluss an das Schienennetz war nicht die geographische Lage ausschlaggebend, sondern die existenzbedrohte Eisen- und Hüttenindustrie im Schleidener Tal. Nach der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Köln-Düren durch die Rheinische Eisenbahn, 1841, forderte die Bergbau- und Hüttenindustrie den Bau einer Zweigbahn zu den Gruben und Produktionsstätten. Sie sollte in Düren abzweigen und auf kurzem Wege über Zülpich, Kommern und Kall nach Schleiden führen. Sogar eine Erweiterung bis Trier wurde damals schon erwogen. Nach vielen Jahren, die von Für und Wider, was die Streckenführung anging, die Stadt Euskirchen wollte mit ihrer Tuchindustrie nicht abseits der Bahntrasse liegen, war es dann soweit. Am 6. Oktober 1864 fuhr der erste fahrplanmäßige Personenzug von Euskirchen nach Düren.

Wenn auch mit den Orten Euskirchen und Kall die vorläufigen Endpunkte der Eifelbahn feststanden, so wurde um die Linienführung zwischen beiden Orten, entweder über Münstereifel oder Mechernich lange Zeit heftig gerungen. Aber die einflussreichen Bergwerksbesitzer (Familie Kreuser), Mechernich, konnten sich durchsetzen, so dass die Streckenvermessung, die 1862 erfolgte, die Linienführung über Mechernich festlegte. Der Mechernicher Bergwerks-Actien-Verein (MBAV) stellte der Rheinischen Eisenbahn aus ihrem Besitz 53 Morgen Grund kostenlos für den Bahnbau zur Verfügung. Zusätzlich ließ sie durch ihre Bergleute den Bahndamm vom Bahnhof Mechernich bis Strempt aus Abraum kostenlos aufschütten. Der MBAV erhielt einen Gleisanschluss bis zu seinen Betriebsstätten.

Beim Bau des Bahnhofs entdeckte man im März 1865 bei den Abraumarbeiten eine kleine Sandsteinfigur, römischen Ursprungs. Trotzdem bei der Figur Kopf und Hals fehlten, konnte sie, da neben der Statue eine Blitzstrahl mit einem Band umwickelt gefunden wurde, einem Jupiter-Conservator zugeordnet werden. Bei weiteren Grabungen und Funden kam C.A. Eick, der die Grabung ausführte, zu der Überzeugung, dass an der Fundstelle ein kleiner Jupiter Tempel gestanden hat.

Am 27. Juni 1865 erfolgte die erste Probefahrt von Euskirchen nach Mechernich und am 1. Juli 1865 wurde die Strecke und der Bahnhof offiziell dem Verkehr übergeben. Wenn man von Mechernich nach Köln wollte, musste man über Euskirchen-Düren fahren. Erst ab 1. Oktober 1875 konnte man auf direktem Weg von Mechernich über Euskirchen-Weilerswist-Liblar nach Köln fahren. Zwischenzeitlich war die Eifelstrecke am 6. September 1867 bis Kall und am 15. Juli 1871 bis Trier erweitert worden.

Im zweiten Weltkrieg war der Bahnhof Mechernich, besonders in der Endphase des Krieges starken feindlichen Luftangriffen ausgesetzt. Bei Kriegsende bot er mit seinen Treffernarben einen trostlosen Anblick. Vorbei war die ehemals beschauliche Eisenbahnromantik. Es gab keinen Wartesaal 1., 2. und 3. Klasse mit der unterschiedlichen Ausstattung mehr. Da der Bundesbahn das Geld fehlte, den Bahnhof wieder in seinen Vorkriegszustand zu versetzen, bezeichnete die Presse in der Folgezeit den Bahnhof häufig als den Schandfleck von Mechernich. Er fiel dann der Spitzhacke zum Opfer. Ein neues Bahnhofsgebäude, im Volksmund „Miniaturbahnhof” genannt, wurde am 15. Oktober 1963 eingeweiht.

Bemerkenswert war, dass der Bahnhof auf dem Boden der Gemarkung Kommern errichtet wurde und den Namen Mechernich trug. Damit war ein jahrzehntelanger Streit zwischen den beiden Kommunen vorgezeichnet. Als der Gemeinderat von Kommern am 29. November 1956 beschloss, den Bahnhof in Kommern-Mechernich umzubenennen, kochte die Mechernicher Volksseele. Nach Verhandlungen zwischen den beiden Gemeinden wurde mit Wirkung vom 1. April 1959 ein Gebietsänderungsvertrag unterzeichnet, der den Bahnhof in die Gemeinde Mechernich eingliederte.

Von Anton Könen