Alte Schule

Die Mechernicher Schulbauten bis 1939

Als Beitrag zur Heimatgeschichte zeigt der Sessionsorden des Festausschusses Mechernicher Karneval die alte Schule „Auf der Ley“, die 1970 nieder gelegt wurde. Die Bezeichnung „Schule auf der Ley“, oder wie im Volksmund „Lege Scholl“ genannt, ist nicht korrekt, denn die Stra├če mit dieser Bezeichnung ist erst weiter aufw├Ąrts durch ein Stra├čenschild ausgewiesen. In Wirklichkeit handelte es sich bei der Schule um das Geb├Ąude Nr. 71 in der Turmhofstra├če. Aber der Volksmund hat seine eigene Namensgebung. Das Schulgeb├Ąude war schon 1937 f├╝r bauf├Ąllig erkl├Ąrt worden, hat dieses Todesurteil aber noch 33 Jahre ├╝berlegt. Der dargestellte Vorgang auf dem Orden zwischen Lehrer und Sch├╝ler hat sich Ende der drei├čiger Jahre des vorigen Jahrhunderts wie folgt abgespielt. Lehrer Husse├č (Spitzname), unterrichtete in der Klasse auch einen Sch├╝ler, der h├Ąufig durch Streiche w├Ąhrend des Unterrichts unliebsam auffiel und wieder einmal zur Bestrafung anstand. In Ermangelung eines Stockes schickte der Lehrer den Sch├╝ler mit den Worten: „Josef geh und such dir deinen eigenen Stock aus“, in den Wald. Gelassen machte der Sch├╝ler sich auf den Weg und kam nach einer sehr, sehr langen Zeit mit drei verschieden starken St├Âcken zum Lehrer zur├╝ck und sagte: „S├Âkt ├╝ch eene us.“ Die Nachricht ├╝ber die erste Schule in Mechernich ist uns aus dem Jahre 1663 ├╝berliefert. Der damalige Pastor, Peter Hochg├╝rtel, der aus Weyer stammte, erwarb f├╝r 101 Reichstaler von Johann Heeg ein Haus „Auf der Leyen“, f├╝r den ersten Schulbetrieb. Hochg├╝rtel trug zu dem Kaufpreis aus eigenen Mitteln 64 Reichstaler bei. Auch leistete er sich aus eigenen Mitteln, nebenbei betrieb er Bergbau, den ersten Vikar in der Geschichte der Mechernicher Pfarre. Pastor Hochg├╝rtel ├╝bertrug die Nutzung des Hauses dem Kaplan mit der Verpflichtung zum Schulmeisterdienst. Diese erste Schule war mit einer heutigen nicht zu vergleichen. Den Kindern lehrte man sich ordentlich zu betragen, das Kreuzzeichen zu machen, zu beten und zu singen. Fortschreitend wurden ihnen Glaubensweisheiten vermittelt. Lesen, Schreiben und Rechnen wurden nur dann gelehrt, wenn der K├╝ster die Anfangsgr├╝nde beherrschte oder ein Vikar dem Pfarrer zugeordnet war.

1788 wurde das Schulhaus „Auf der Ley“ verkauft und der Erl├Âs von 200 Reichstalern, beim Ankauf eines neuen Hauses, des Kiererhofes (Auf der Kier Nr. 6), mit verwendet, der von da ab als Schulhaus und Vikarwohnung diente.

1812 wurde die so genannte Schulvikarie im Kiererhof mit zur Pastorat eingerichtet, w├Ąhrend die alte Pastorat, ohne Scheune und Stallungen, in der Turmhofstra├če, nieder gelegt wurde. An deren Stelle begann man nach den Eintragungen von B├╝rgermeister Franz Schmitz in der B├╝rgermeisterchronik. 1822 mit dem Bau eines Schulhauses, das 1823 vollendet wurde. Die Eintragung in der Chronik vom Jahre 1823 hat folgenden Wortlaut: „Der ohne Zutun der Verwaltung im Vorjahr unternommene massive Schulbau in der Gemeinde Mechernich, wird in diesem Jahr vollendet. Die durch freiwillige Beitr├Ąge von der Pfarrgemeinde bestrittenen Gesamtkosten, au├čer der von ihr geleisteten Natural als Hand- und Spanndienste k├Ânnen 2000 Taler ├╝bersteigen. Die bisher in Beitr├Ągen ├╝ber das Mechernicher Schulwesen genannten Daten, 1812 Baubeginn und Vollendung 1825 bzw. 1828, stimmen mit den Eintragungen in der B├╝rgermeisterchronik nicht ├╝berein. Die Schule war in zwei Klassenr├Ąume unterteilt, in denen fast 200 Kinder, davon 60 aus Roggendorf und Strempt, unterrichtet wurden. Als 1852 die Bl├╝tejahre am Mechernicher Bleiberg einsetzten, stieg auch die Zahl der Schulkinder rapide an, so dass man 1853 zum Bau einer zweiten Schule an der Turmhofstra├če gezwungen war. Giebelst├Ąndig zur Turmhofstra├če und im rechten Winkel zum alten Schulgeb├Ąude wurde die neue Schule errichtet (Ordensdarstellung). Das neue Geb├Ąude besa├č vier, so genannte Breitklassenr├Ąume. Das vorherige Schulgeb├Ąude wurde zur Lehrer- und Vikariewohnung bestimmt und mit seinem Nachfolgegeb├Ąude 1970 abgerissen. Die alten Mechernicher Schulgeb├Ąude, die heute noch vorhanden sind, wurden vom damaligen Mechernicher Bergwerks-Actien-Verein erbaut, der bei dem rapiden Anwachsen des Ortes etwas f├╝r die Unterrichtung der Kinder seiner Bergleute unternehmen musste. Diese Bauma├čnahmen, die in Beitr├Ągen h├Ąufig als Wohltaten der damaligen Bergeigner gepriesen werden, ist nicht ganz korrekt. Die am 18. M├Ąrz 1861 vom preu├čischen K├Ânig genehmigten Statuten des Mechernicher Bergwerks-Actien-Vereins bestimmten in ┬ž 41: „Die Gesellschaft hat f├╝r den Fall, dass den Gemeinden, in welcher sich ihre Bergwerke und gewerblichen Etablissements befinden, oder den Nachbar-Gemeinden durch von ihr herbeigezogene ausw├Ąrtige Arbeiter nachweislich erh├Âhte Kosten f├╝r die Kirchen- und Schulbed├╝rfnisse,so wie f├╝r die Armenpflege erwachsen sollte, f├╝r den durch die Arbeiter selbst nicht gedeckten erh├Âhten Kostenbeitrag, aufzukommen.“ Schon 1858 hatte die Gemeinde Mechernich ihr s├Ąmtliches Gemeindeeigentum an Land, etwa 313 Morgen gro├č den Bergeignern gegen die Verpflichtung ├╝bertragen, den Anteil der Gemeinde an Kirchenbau- und Schulbaukosten zu ├╝bernehmen. Durch diesen Beschluss war Mechernich in der damaligen Rheinprovinz zum Unikat geworden, eine Gemeinde ohne eigenen Landbesitz. Das heutige Rathaus wurde in zwei Bauabschnitten als Schule errichtet. Der erste Abschnitt, Baubeginn 1876, Giebelst├Ąndig zur „Bergstra├če“ stehend, war f├╝r zwei Schulklassen und Lehrerwohnungen vorgesehen und zu 31.500 Mark veranschlagt. Aber auch diese Bauma├čnahme reichte schon bald nicht mehr aus, um die steigende Sch├╝lerzahl aufzunehmen. 1881 wurde dann im zweiten Bauabschnitt, rechts an den schon bestehenden Geb├Ąudeteil zwei weitere Klassen mit einem Kostenpunkt von 12.173 Mark angebaut. So erhielt das jetzige Rathaus seine heute noch bestehende Form. Das jetzige Rathausnebengeb├Ąude wurde ebenso wie das sp├Ątere Rathaus in zwei Bauabschnitten als Schule errichtet. 1885 wurde der Giebelst├Ąndig zur „Weierstra├če“ stehende rechte Teil, bis zum heutigen Eingangsbereich, als M├Ądchenschule vollendet. Der letzte Schulneubau vor 1900 war 1891 der Bau der Knabenschule „Im Sande“, der heute f├╝r Vereinszwecke genutzt wird. Am 15. April 1897├╝bersiedelte die Verwaltung der Gemeinde von Roggendorf nach Mechernich in den linken Fl├╝gel der 1876 errichteten Schule (Rathaus). Mit der Zunahme der Verwaltungsaufgaben und der damit verbundenen Personalaufstockung, 1933, musste auch der 1881 angebaute rechte Fl├╝gel f├╝r Verwaltungszwecke frei gemacht werden. Nach dieser Fremdnutzung der ehemaligen Schule ben├Âtigte Mechernich dringend neuen Schulraum. So entstand der Plan, an der M├Ądchenschule einen Anbau Richtung Amtskasse mit Garagenteil und Polizeigewahrsam zu errichten. Der Kostenteil des geplanten Schulanbaus lag bei 70.000 RM. Nachdem am 1. Juli 1938 die Finanzierung gesichert war, 50.000 RM als staatliche Beihilfe und 20.000 RM von der Gemeinde (aufgenommen als Darlehen, r├╝ckzahlbar in 10 Jahren), konnte mit dem Bau begonnen werden. Am 18. Juli 1939 konnte die neue Schule, die die gr├Â├čte im ehemaligen Kreis Schleiden war, in einem Festakt ihrer Bestimmung ├╝bergeben werden. Zu berichten, was diese Schulgeb├Ąude w├Ąhrend des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit ├╝ber sich ergehen lassen mussten, w├╝rde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

von Anton K├Ânen

Der Vereinsorden des FMK widmet sich 2005 der Alten Schule Auf der Ley